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21. Juli 2017

Mirjam Carboni im Profil

Mirjam Carboni arbeitet seit 2015 in der ABS. Ihr Auftreten ist angenehm zurückhaltend, sie wirkt überlegt und gewissenhaft. Hier erzählt sie von ihren Aufgaben im Bereich Integration im Asylwesen, von Hürden im Alltag und ihrer Motivation.

Als Bindeglied zwischen den Gemeinden und der ABS treibt die Sozialarbeiterin jeden Tag die Eingliederung Asylsuchender und vorläufig aufgenommener Ausländer mit voran. Sie vermittelt zwischen den Gemeinden und den Förder- und Beschäftigungsprogrammen in Baselland, verfasst Verfügungen sowie Anträge und berät alle Seiten.

Ich möchte zuerst von ihr wissen, wie häufig die Gemeinden Fragen an sie richten? M. Carboni: „Das ist unterschiedlich. Einige Kunden möchten unsere Abläufe genau kennen und Einblick in unsere Tätigkeit gewinnen, andere sind froh, wenn sie einfach nur entlastet werden.“ Für beides hat M. Carboni Verständnis. Sie erzählt, dass sich die Fragen der Kunden meist auf finanzielle Belange beziehen. Z.B.: „Wer übernimmt die Kosten für Beschäftigungs- und Förderprogramme?“ Die Antwort steht in der jeweiligen kantonalen Asylverordnung unter Paragraph 4.

Eine weitere, häufig gestellte Frage lautet: „Wer bezahlt einen Dolmetscher für Übersetzungen?“ M. Carboni: „Der Kanton übernimmt keine Kosten, daher fällt die Verantwortung hier auf die Gemeinden. Falls sie diese ablehnen sollten, ist der Klient selbst gefragt.“ An dieser Stelle wird deutlich, wie wertvoll es ist, wenn sich da noch jemand auskennt.

Nun erzählt Carboni mir von einem Syrer, welcher 2014 in der Schweiz einreiste. Von seinen Erlebnissen im Kriegsgebiet traumatisiert, wird er hier zunächst psychiatrisch behandelt. Seine Ausgangslage bald im neuen Land Fuss zu fassen erscheint verzwickt.

2015 überträgt seine zuständige Gemeinde der ABS die Verantwortung dafür, die Betreuung des 18- jährigen Mannes zu übernehmen. Doch er erhält im selben Jahr eine Wegweisung, gegen die er Rekurs einlegt. Tatsächlich erreicht er, dass der Entscheid ein paar Monate später wieder aufgehoben wird. Er wird wieder in das laufende Asylverfahren aufgenommen.
Währenddessen besucht er ein Beschäftigungsprogramm. Aus eigenem Antrieb heraus organisiert er sich selbst noch eine freiwillige Mitarbeit in der Kirche. Und als ob das nicht reicht, kocht er bald gemeinsam mit Jugendlichen, spielt in einer Theatergruppe mit und absolviert einen Sprachkurs. „Darin erreicht er bald das Niveau B1“, berichtet M. Carboni sichtlich anerkennend.
Um all seine Aktivitäten unter einen Hut bringen zu können, gewährt ihm die ABS in dieser Zeit genug Freiraum. An einzelnen Tagen ist er vom Beschäftigungsprogramm freigestellt. Ein Entschluss, der sich lohnt: Ende 2016 erhält er den Bescheid für eine vorläufige Aufnahme und bringt es im nächsten Deutschkurs bereits bis zum Sprachniveau B2.
In Folge tritt er eine Schnupperlehre als Laborant in einem Chemiekonzern an. Dies ist möglich, da er in Syrien bereits eine Matur in Naturwissenschaft abgeschlossen hatte. Das entsprechende Zeugnis wurde mit der Unterstützung der Gemeinde und ABS auf Deutsch übersetzt und dann von ihm eingereicht.

Gegenwärtig nimmt der junge Syrer an einem Bildungsangebot im Fachgebiet Chemie der Allgemeinen Gewerbeschule teil. Und er hat sich zusammen mit Gleichgesinnten in einer eigenen Wohngemeinschaft zusammengetan. Es scheint, als habe er sich dank seines starken Willens und der Unterstützung durch seine Gemeinde und die ABS ein Stück Freiheit und Hoffnung zurückerobert.

M. Carboni macht dieser Fall Mut: „Mit den Gemeinden schaffen wir Grundlagen, auf denen Integration gelingt“, fasst sie zusammen. „So soll es weitergehen.“

Zum Schluss frage ich sie, von wem sie selbst Unterstützung in ihrer Arbeit erfährt: „Von meinen Kollegen, Vorgesetzen und der Familie.“ Was ihr ansonsten Kraft gibt, hake ich nach? „Zu wissen, dass wir in jedem Fall alles geben und die Wahrung einer gewissen Distanz“.

Kontakt:
Mirjam Carboni
Sozialarbeiterin Integration Asylwesen
Tel. 061 825 50 50
m.carboni@abs-ag.ch

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